Arbeit und nicht vorhandene Disziplin


 

Hat einer von euch meinen Post bei Instagram oder Facebook vom 21.01.2021 gesehen und gelesen?

 

Wenn nicht, auch nicht so schlimm. Nur wüsstet ihr dann schon worum es hier heute gehen soll ^.^ Um Motivation und Selbstdisziplin in meiner Selbstständigkeit.

 

Direkt nach meinem Studium bin ich in die Selbstständigkeit gestartet. Ich war voller Motivation und Ideen. Mit einer Freundin habe ich gemeinsam angefangen. Wir wollten die Knopfherrschaft an uns reißen.

Vielleicht folgt der ein oder andere mir schon so lange und kann sich erinnern?

 

Es ging mit sehr vielen unterschiedlichen Produkten los. Ich hatte genähte kurze Umhänge und Tellerröcke. Dann Ohrringe. Später bedruckte Klamotten. Nicole hatte wärmende Babysäckchen für den Kinderwagen, handgezeichnete Ohrringe und dann auch Postkarten. Bei mir kamen dann auch die ersten Kapuzenschals und Stulpen dazu.

Ach ja, wir hatten viele Ideen.

 

Damals habe ich eine Förderung vom Arbeitsamt erhalten, d.h. ich hatte zum Hartz4 einen wirklich kleinen Beitrag für mein Label bekommen. Damals hieß es noch Dunkelfaden. Wurde zu Düsterfaden und nun bin ich endlich bei TADA angekommen. Nur mal so nebenbei erwähnt.

 

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit war ich echt motiviert. Und auch wenn ich mich sehr viel belesen hatte, hatte ich noch keine Ahnung, wie man seinen Tag strukturiert, wie man sich (machbare) Ziele setzt usw. Ich lebte da viel in den Tag hinein. Ich habe zwar gearbeitet, aber sehr ziellos. Dort bissel was gemacht, dort geschaut, dort recherchiert, da was produziert.

Ich habe mich auch voll leicht ablenken lassen. Immer mal wieder auf die FB-Seite geschaut oder auch mal so zu viel Zeit im Netz verbracht.

Und was war dann? Man hat den ganzen Tag gefühlt gearbeitet, aber am Ende des Tages war nie ein Ergebnis da.

Bei der Freundin war es anders. Sie konnte immer mehr Produkte vorweisen als ich und auch Beiträge oder Umsetzungen von Ideen gingen viel schneller bei ihr.

 

Anderseits fehlte mir auch das Budget zum Schluss um mehr umzusetzen. Gemeinsam hatten wir zig verschiedene Märkte ausprobiert. Leider eher mit finanziellem Desaster. Lag einerseits an dem nicht durchdachten Konzept/der einheitlichen Linie. Anderseits an zu wenig Auswahl in den einzelnen Produktsortimenten uvm.

 

Ich gehörte auch eher zu der „fauleren“ Sorte Mensch. Mir fehlte und fehlt es an Selbstdisziplin. Es fiel mir echt schwer, mich jeden Tag aufzuraffen und wirklich mehrere Stunden am Stück zu arbeiten. Nicht mal da schnell Wäsche waschen, nicht mal dort kurz auf eine Nachricht antworten. Da ich von zuhause arbeite, war es schwierig Privates und Arbeit zu trennen.

 

Später kamen noch private und gesundheitliche Probleme, die mich aus der Bahn geworfen hatten. Da es mir eh schon schwer viel diszipliniert zu arbeiten, warfen mich solche Dinge dann total aus der Bahn. Auch die fehlende Motivation, weil so gut wie niemand was gekauft hat. Oder die Leute immer nur wissen wollten, wie man was gemacht hat, damit sie es selbst umsetzen könnten.

 

Aber genug des Negativen 😉 Ok, es wird nochmal ein klein wenig was geben, aber nicht so viel.

 

Worauf ich eigentlich hinaus will. Ich habe ich den Jahren auch dazu gelernt ^.^

Es fing damit an, dass ich mir einen Job gesucht habe. Mit meinem Label war ich weit davon entfernt überhaupt Umsatz zu machen. Erst hatte ich einen 450-Euro-Job. Später kam noch ein Teilzeitjob hinzu. Und dann hatte ich ein Label gefunden, für dass ich ab und zu was arbeiten durfte.

 

Eine Zeitlang hatte ich diese 3 Jobs parallel. Das ging ein halbes Jahr so, bis ich die Probezeit bei dem Teilzeitjob überstanden hatte. Das war echt hart. Ich war vollkommen fertig und hatte da kaum Lust eigene Dinge zu produzieren, geschweige die Zeit dafür oder gar für Freizeit und Freunde. Teils habe ich 6-7 Tage was gemacht. Zwar nicht immer den ganzen Tag, manchmal auch nur ein paar Stunden, aber das war eine schlauchende Zeit.

 

Was ich aber daraus mitnehme? Einiges. Durch das Arbeiten für das eine Label habe ich gelernt, intensiver bzw. ohne Ablenkung zu arbeiten. Wirklich mal mehrere Stunden zu sitzen und für mein Label was zu machen.

Auch habe ich mich beschäftigt, wie ich mit meinem inneren Schweinehund besser umgehen kann. Ich war immer unzufrieden mit mir. Ich habe mich selbst fertig gemacht, weil ich nicht so gearbeitet habe, wie erhofft.

Es gab eine Zeit, da habe ich mir Ziele notiert. Einen Kalender geführt. Mir meinen Arbeitsplatz anders eingerichtet. Habe mich wirklich ermahnt, wenn ich mich beim Ablenken erwischt habe und habe es sofort unterbrochen.

 

Was mir auch wahnsinnig gut geholfen hat? ZEITDRUCK! 🙈😂

Was ich nicht alles geschafft habe, wenn das Wave-Gotik-Treffen oder so anstand. Aber da habe ich wirklich teils 14 Tage und mehr gearbeitet ohne freie Tage. Also mit meinem Teilzeitjob, für das eine Label arbeiten und für mein Label.

Zeitdruck ist echt bei mir ein gutes Mittel um intensiv zu arbeiten. Problem dabei ist, wenn man wenig Märkte hat oder Termine, für die was fertig werden muss. Leider hat es nicht geholfen mir eigene Deadlines zu setzen, weil ich wusste, dass die verschiebbar sind.

 

Alles ließ ich dann nach einiger Zeit doch wieder schleifen. Einerseits war ich durch die viele Belastung einfach fertig und konnte nicht mehr. Hatte einfach keine Kraft. Andererseits fehlte mir auch das Ziel, wo ich genau hinwill.

 

WOW. Schon krass viel Text, oder?

 

Wie kam es 2020 zu einem Motivationsschub? Ja, es lag an der Corona-Pandemie. Man mag es kaum glauben, für mich hatte sie etwas Positives.

Die Märkte fielen aus. Auch für die Labels, für dich ich ab und zu gearbeitet habe, konnte ich dadurch nicht mehr arbeiten. Meine Haupteinnahmen kamen von Märkten, also offline. Mein Teilzeitjob gehört nicht zu den systemrelevanten Jobs, d.h. ich war in Kurzarbeit sehr oft zu hause.

Ich hatte viel Zeit nachzudenken. Neue Strategien zu überlegen.

 

Die erste Zeit, muss ich gestehen, habe ich wirklich zum Ausruhen genutzt. Ich war so fertig, dass ich diese Zeit einfach brauchte. Das habe ich mir aber auch eingestanden. Anfang des Jahres 2020 musste ich mich auch eine Woche krankschreiben lassen, weil ich ausgepowert war und nicht mehr konnte. Aber ich habe mich deswegen nicht fertig gemacht, z.B. dass ich ein Schlappschwanz oder so wäre. Ich habe es angenommen, dass mein Körper und Geist Erholung brauchten.

 

Dann bin ich auch immer öfter ins Gespräch mit meinem Bruder gekommen, der mir einigen Input zum Nachdenken geliefert hat. Dadurch habe ich mich wirklich nochmal zurückbesinnt auf mein Studium. Ich habe vermehrt an digitalen Designs gesessen. Ich habe mir viele Dinge auf YouTube angeschaut. Da habe ich wirklich einige Stunden vor dem Bildschirm verbracht. Es hat mir aber geholfen.

 

Auch habe ich wieder über das Zeitmanagement nachgedacht. Ende Dezember 2020 habe ich mir nahe und ferne Ziele bzw. allgemeine Aufgaben notiert. Geschaut, wie andere sich strukturieren. Neue Kalenderarten zugelegt.

 

Ich habe einen Weg gefunden, viel mehr zu schaffen als die Jahre zuvor. Wofür ich manchmal Monate oder gar Jahre gebraucht habe, habe ich wirklich in wenigen Wochen und Monaten derzeit geschafft. Natürlich habe ich jetzt mehr Zeit, wenn meine Jobs wieder voll losgehen, muss ich dann schauen, wie ich was einbaue. Aber ich weiß, dass ich in kürzerer Zeit als sonst sichtbare Ergebnisse sehe. Das motiviert gerade ungemein. Es muss bloß auch anhalten und nicht wieder abflachen 😉 Ich lasse mich überraschen 😂

 

Ich könnte derzeit auch noch viel mehr schaffen, ich habe noch Luft nach oben. Aber ich freue mich gerade zu sehr, dass ich diese Schritte geschafft habe. Ich habe auch angefangen jeden Tag aufzuschreiben, was ich erledigt habe. Egal ob Einkaufen, Wäsche waschen oder zuschneiden, Designs erstellen oder auf Instagram und Co. zu posten. Dadurch fühlt es sich trotzdem an, dass man viele Dinge geschafft hat, auch wenn es „kleine“ Aufgaben sind.

 

Was ich versuchen möchte, mir genauere Wochen- bzw. Monatsziele zu setzen. Oft ist bei mir durch die Schichtarbeit usw. z.B. der Haushalt liegen geblieben und dann musste ich ganz viel auf einmal aufräumen. Ich möchte mir kleine Teilaufgaben pro Woche festlegen, dass ich einfach regelmäßig was mache und dann nicht den riesen Batzen im Nacken sitzen habe und deswegen unmotiviert bin und die Aufgabe dadurch noch weiter rauszögere.

 

Jeder muss für sich rausfinden, was für ein Typ man ist. Wie man sich strukturiert. Ich habe jetzt mehrere Jahre gebraucht um mich zu „verbessern“. Manche schaffen das schneller, andere noch langsamer als ich.

 

Was ich für mich gelernt habe, dass man auf sich selbst hören muss. Was will man, wohin soll es gehen. Setze ich mich zu sehr unter Druck und leidet dadurch eher meine Arbeit? Ich habe mich viel belesen bzw. angeschaut um den besten Weg für mich persönlich zu finden. Nicht der eine Weg ist der richtige für alle Personen. Und versuchen positiv zu bleiben. Wenn es auch nicht immer klappt. Ich hatte auch genug negative Phasen und musste mich erst wieder aufrappeln.

 

Eine weitere Motivation, die noch nie so klar war wie jetzt. Ich möchte auch unbedingt von meinem Teilzeitjob weg. Er ist ok, die Kollegen sind echt super. Ich komme aber mit den Schichten, dem negativen Stress und einigen Kunden nicht klar. Ich weiß, so schnell wird es nicht gehen. Ich muss noch Durchhalten. Aber dadurch habe ich ein handgreifliches Ziel. Dadurch arbeite ich auch mal, wenn ich müde bin. Ich überarbeite mich aber nicht. Das tut meinem Wesen und meiner Gesundheit nicht gut. Ich versuche meine Grenzen besser kennenzulernen und wie weit ich gehen kann.

 

Ich bin von Natur aus eine Nachteule. Ich richte mich nach meiner inneren Uhr. Das kann ich endlich wieder. Dadurch geht es mir so viel besser. Ja, andere werden den Kopf schütteln, wenn ich erst 11 Uhr aufstehe. Dafür gehe ich aber auch nicht vor 2 oder 3 Uhr ins Bett. Ich schlafe nicht wirklich länger oder bin deswegen faul. Ich habe einfach einen anderen Rhythmus, mit dem ich mich wohl fühle.

Ich kann nicht schon 7 Uhr aus dem Bett springen und voller Elan loslegen. Ich lasse den Tag auch ruhig angehen. Erst einige private Dinge und dann arbeite ich.

 

Aber das ist mein Weg. Wie ist dein Weg/deine Struktur/deine Motivation? Hast du dich schon gefunden oder suchst du ebenso noch wie ich?

Falls du überhaupt bis hier gelesen hast und auch noch Lust hast zu antworten 😂

 

Bin echt stolz auf mich, so viel geschafft zu haben. Für deinen einen Klacks, für den anderen auch noch in weiter Ferne, dass zu schaffen.

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